"Das Fremdsprachenlektorat des Collegium Polonicum – Auf vollen Touren"
Von Piotr Kucharczyk, Jakub Kozikowski
Sie verwenden hunderte von Stunden dafür, den Studenten die Welt zu zeigen. Nicht nur die Welt aus Büchern, sondern auch die wirkliche, z. B. mit Hilfe von Kontakten zu Politikern jenseits der westlichen Grenze. Sie arbeiten monatelang, um den Leuten mit unkonventionellen Mitteln zu zeigen, dass jeder mit gutem Willen ein Stück von Weltformat aufführen kann. In einer solchen Umgebung fühlen sich die Lektoren des Collegium Polonicum in Słubice am wohlsten.
Die Słubicer Lehrkräfte waren bereits Initiatoren von vielen interessanten Ereignissen. Doch zu den interessantesten gehörte: "Wenn ich an Deutschland denke..." (Kiedy myślę o Niemczech ...", ein literarisch-künstlerischer Wettbewerb für die Studenten des Collegium Polonicum. Er wurde in der Absicht organisiert, um den Studenten die Möglichkeit zu geben, ihre persönlichen Sichtweisen auf die Deutschen, deren Lebensweise und Mentalität Ausdruck zu verleihen. Der Wettbewerb stieß auf rege Teilnahme. Vielleicht auch aus dem Grund, weil der Hauptpreis 1500 zł betrug. Es ging jedoch keiner leer aus. Der "Trostpreis" für alle Wettbewerbsteilnehmer war eine Exkursion zum Brandenburger Landtag in Potsdam. Außerdem lernten die Studenten dort auch den Radiosender RBB genauestens kennen.
Eine weitere Idee war ein Ausflug zum Deutschen Bundestag, wo die Teilnehmer das Reichstagsgebäude und den Plenarsaal des deutschen Parlamentes besichtigten konnten. Außerdem hatten die Studenten die Möglichkeit zu einem Gespräch mit deutschen Parlamentsabgeordneten über die Politik in Deutschland und die deutsch-polnischen Beziehungen.
Doch die bisher spektakulärste Herausforderung ,sowohl für die Lektoren als auch die teilnehmenden Studenten, war die Bühnen-Aufführung von Goethes "Faust" im Collegium Polonicum. Es gab: viel Nebel, tolle Spezialeffekte, hervorragende Schauspieler und ein einfallsreiches Bühnenbild. Die Studenten bewiesen, dass man die Klassiker in einer originellen, nicht konventionellen Art und Weise aufführen kann und dass einige Stücke einfach zeitlos sind. Die Inszenierung zog nicht nur das Interesse der Studenten auf sich, sondern auch der Einwohner von Słubice und Frankfurt (Oder). Die Große Aula des Collegium Polonicum war bis auf den letzten Platz gefüllt. Mit Spannung warteten ebenfalls Herr Dr. Krzysztof Wojciechowski, der Verwaltungsdirektor des Collegium Polonicum, und die stellv. Leiterin des Sprachenzentrums der Europa-Universität Viadrina, Frau Dr. Bärbel Lydia Wolfgramm, auf den ersten Akt. Die Initiatoren dieses Events waren die Germanisten: Anna Wiącek – Drehbuch und Regie, Artur Kopka – Produktion und Astrid Kapler, die Leiterin des Fremdsprachenlektorates, die die Idee der Inszenierung mit Rat und Tat unterstützte. Dank ihnen und der Direktion der Słubicer Lehranstalt konnte die Aufführung, zu der die Adam-Mickiewicz-Universität Poznań auch einen finanziellen Beitrag leistete, realisiert werden. Fünf Monate bereiteten sich die Studenten intensiv auf das Bühnenstück vor. Die Aufführung des Drehbuches überwachte Anna Wiącek, deren Inspiration die innovative Interpretation von "Faust" hervor brachte. Dieses Mal spielte Gretchen die Hauptrolle und nicht, wie gewöhnlich, entweder Faust oder Mephisto. Das gesamte Schauspiel wurde von einem Filmteam festgehalten und ist nun als DVD zu Bildungszwecken erhältlich. Sollte jemand die Premiere verpasst haben, der kann sich bereits Zeit reservieren, denn die Filmversion von "Faust – Avantgarde" wird im Rahmen der Deutschtage der Universität Zielona Góra im Oktober diesen Jahres präsentiert.
Ein weiteres Ereignis war ein Treffen mit Polens ehemaligem Präsidenten Lech Wałęsa und der ehemaligen Präsidentin des Deutschen Bundestages Rita Süssmuth. Die Studenten fuhren nach Neuhardenberg und verfolgten das Treffen, das simultan ins Polnische übersetzt wurde, auf Deutsch. So wurde gleich noch ein Unterrichtseffekt erreicht. Der Präsident schnitt u. a. den Themenbereich der deutsch-polnischen Zusammenarbeit im Rahmen der Europäischen Union an. Außerdem äußerte er sich zu einigen gegenwärtigen gesellschaftspolitischen Fragen, die uns und unsere westlichen Nachbarn bewegen und stellte eine Reihe von Lösungsmöglichkeiten vor. Die Atmosphäre dieses Treffens war sehr partnerschaftlich. Nach dem Beitrag von Lech Wałęsa konnte die "Słubicer Delegation" dem ehemaligen Präsidenten noch einige Fragen stellen. Dieses Treffen kann man mit Sicherheit auf die "Erfolgsliste" des Fremdsprachenlektorates des Collegium Polonicum in Słubice setzen.
Wir hoffen, dass das der Beginn der innovativen Ideen der Mitarbeiter der Collegium Polonicum ist und warten auf die nächsten. Nur weiter so.


